Factoring & Forderungsmanagement im Vertrieb

Eugenia Allerdings, 15.06.2012

Schlechte Zahlungsmoral – wie komme ich an mein Geld…
… war die Überschrift der gestrigen Veranstaltung in der IHK, Bielefeld.

Als  Inhaberin einer Vertriebsagentur interessiert  mich natürlich dieses Thema besonders, denn wir wollen unseren Kunden am besten nur solvente Kunden vermitteln. Außerdem widmen wir uns diesem Bereich auch in der Analyse.  Alles was über dem üblichen Branchen-Satz liegt ist oft auf Reklamationen, Miss-Management, mangelhaften Vertrieb und geringe Kundenbindung zurückzuführen.

Zu der o.g. Veranstaltung habe ich mir natürlich einige Notizen gemacht, die ich Ihnen hier weitergeben möchte:

Vortrag der Creditreform, Herr Dorff

- alles über 1% vom Umsatz als Forderungsausfall ist überdurchschnittlich

- simple Zahlungsbedingungen vereinfachen das Forderungsmanagement

- rufen Sie Ihre säumigen Kunden dann an wenn Sie es nicht erwarten … z.B. während des Fußballspiels zur EM (mein Lieblings-Tipp des Abends!!!)

- in großen Unternehmen gibt es „Liquiditäts-Manager“, die sich darauf Spezialisiert haben Forderungsausgleich bis zu einem halben Jahr hinauszuschieben

 

Vortrag des Factoring-Anbieters Crefo-Factoring, Herr Klinge

Die für mich größte Überraschung an diesem Abend: Kostenfaktor für Factoring liegt NUR bei 1-3% des Umsatzes (Mittelständisches Unternehmen)

Risiken des Factorings sind der „Zwang zu einer ordentlichen Buchhaltung“ und die noch derzeitige negative Außenwirkung. In vielen Köpfen spuckt noch die vor 10 Jahre gängige Praxis: „Factoring ist was für Leute die dringend Geld brauchen und woanders nichts mehr kriegen. Der Herr zu meiner Rechten sagte klar offen in die Runde: „Ich habe 18 Mio. Einkaufsvolumen jährlich zu vertreten und mir kommt kein Lieferant ins Haus der über Factoring abrechnet.“ Bei dieser Äußerung kommen mir gemischte Gedanken. Einer davon ist: Wahrscheinlich hat er auch einen Liquiditätsmanager, der die Zahlungen seiner Lieferanten hinauszögert. Die andere: Ich habe auch kein gutes Gefühl bei Factoring – aber ist diese negative Einstellung berechtigt?

Resümee: Fakt ist, dass der Einsatz von Factoring eine offene Kommunikation mit dem Kunden erfordert um Missverständnisse nicht entstehen zu lassen und die Möglichkeit bietet die „faulen Eier“ schneller auszusortieren.

 

Den Vortrag zum Thema Kreditversicherung lasse ich unkommentiert, denn mir ist immer noch nicht klar wofür man diese wirklich braucht. Bei einem guten präventiven Forderungsmanagement ist dies m.E. völlig überflüssig.

 

Der Rechtsanwalt Herr Dr. Meyer sprach für einen Rechtsanwalt erstaunlicherweise recht locker, unverblümt und witzig. In seinem Vortrag war jedoch kaum etwas Neues für mich enthalten. Im Prinzip kann ein Rechtsanwalt erst was machen, wenn man eine saubere Dokumentation hat und „präventives Forderungsmanagement“ betreibt – sprich einen ordentlichen Vertragsbestand hat.

Einen guten Tipp habe ich für mich aber doch noch mitgenommen: wenn der Verdacht auf Verzögerungstaktik des Schuldners besteht, sollte man statt einem klassischen Mahnverfahren lieber ein Urkundenverfahren einleiten. Das Mahnverfahren macht Sinn bei Schuldnern die insolvenzgefährdet sind.

Hier gibt es die Präsentationen der Vorträge

Darüber hinaus möchte ich auf unsere Xing-Gruppe: ABC des Forderungsmanagements aufmerksam machen. Hier erhalten Sie weitere Informationen und Tipps zu Ihren Möglichkeiten mit säumigen Kunden umzugehen.

Kommentar schreiben

Kommentar